Williams Varkon: Flippern im Spiegel
Unbezahlte Werbung / Mal etwas ganz anderes im Fokus
Veröffentlicht am 07.08.2026 von Flipper-News

Williams’ Varkon ist einer der ungewöhnlichsten Flipper, die Williams je gebaut hat. Ein Pinball im Videospiel-Gehäuse, von dem nur rund 90 Stück produziert wurden. Varkon erschien 1982, mitten im Videospiel-Boom, als klassische Flipper wirtschaftlich unter Druck standen. Williams reagierte mit einem Hybrid: Von außen wirkt Varkon wie ein typischer Upright-Arcade-Automat mit Control-Panel und senkrechtem Monitorfenster. Erst beim Start wird klar, dass hier eine echte Kugel über ein mechanisches Spielfeld läuft.
Der Trick dahinter ist ein Spiegel: Die eigentlichen Playfields liegen im Inneren geneigt, der Spieler sieht sie über einen Spiegel als „virtuelles“ Spielfeld vor sich, inklusive Blitzeffekten und Punktanzeigen. Dadurch fühlt sich Varkon gleichzeitig vertraut wie ein Flipper und fremd wie ein Videospiel an: ein Gerät, das in keiner Aufstellung so richtig in eine Schublade passt.
Joysticks statt Flipperknöpfe
Technisch basiert Varkon auf Williams System 7, aber die Spielflächen sind speziell für das Upright-Konzept entworfen. Auf dem oberen Haupt-Playfield warten zwei 3‑Inch-Flipper, ein Pop-Bumper, eine Kickback-Lane und eine 1–5-Targetbank, die den Weg „nach unten“ freischaltet. Wird die Sequenz komplettiert, kann der Ball über eine Rampe auf das untere Playfield geschickt werden – dort wartet ein zweiter Satz kleinerer 2‑Inch-Flipper und ein eigener Ball, mit dem man den namensgebenden Dämon Varkon angreift und Multiplikatoren über das V‑A‑R‑K‑O‑N-Feature aufbaut.
Das Besondere: Die Flipper werden nicht über klassische Side-Buttons, sondern über zwei Joysticks am Control-Panel bedient. Dadurch steuerst du einen physikalischen Flipper mit einem typischen Arcade-Interface; ein bewusster Bruch mit der gewohnten Haptik, der Varkon heute noch stärker wie eine Kuriosität wirken lässt.
„Angesichts der Einschränkungen des Designs schneidet Varkon recht gut ab: Das kleine Spielfeld sorgt für ein schnelles und einfaches Spiel, das dennoch eine gewisse Herausforderung darstellt“, erklärt Insider „Retro Ralph“ Ronzio. Das obere Spielfeld aus Plexiglas und das umgekehrte Display verwirren neue Spieler zunächst, zumindest bis sie sich nach einigen Spielen an das Verhalten des Balls gewöhnt haben, „aber letztendlich fehlt dem Spiel die Tiefe für eine langfristige Spielbarkeit.“ Leider stieß Varkon bei den Betreibern auf sehr geringes Interesse, sodass nur 90 Einheiten hergestellt wurden. Die wenigen, die heute noch existieren, werden in der Regel von Flipper-Sammlern gehortet, die auf der Suche nach einem wirklich neuartigen Gerät für ihre Sammlung sind.
Rar, schnell, eigensinnig

Mit nur rund 90 gebauten Einheiten gehört Varkon zu den seltensten Serienflippern der frühen 80er, viele Geräte stehen heute in Sammlungen oder Museen. Das kompakte Spielfeld macht das Gameplay schnell und relativ simpel: harte Rampenshots, wiederholbare Targets, überschaubare Regeln – eher „fast & weird“ als „deep & mode-heavy“.
Genau diese Mischung aus reduzierten Regeln, verdrehtem Blickwinkel über den Spiegel und ungewohnter Joystick-Steuerung sorgt dafür, dass Varkon Spieler erst einmal komplett aus der Komfortzone holt und erst nach ein paar Partien so etwas wie Flow entsteht. Wer moderne Williams- oder Stern-Maschinen gewohnt ist, erlebt hier so etwas wie einen Prototypen aus einem Paralleluniversum: eindeutig Pinball, aber mit komplett anderen UI-Konventionen.
Warum Varkon heute Kult ist
Kommerziell war der Versuch, Pinball im Videogame-Look zu verkaufen, ein Flop. Die geringe Stückzahl spricht Bände, und viele Operator hatten offenbar wenig Interesse an einem Gerät, das weder als klassischer Flipper noch als echtes Videospiel durchging. Aus heutiger Sicht macht genau das den Reiz aus: Varkon steht für eine experimentierfreudige Phase, in der Hersteller wie Williams radikale Ideen ausprobierten, um den Anschluss an die Arcade-Szene nicht zu verlieren.
Wer Varkon heute irgendwo auf einer Show oder in einer Sammlung entdeckt, spielt nicht nur eine Rarität „1 von 90“, sondern ein Stück Designgeschichte: ein Versuch, die DNA des Flippers in ein neues Formfaktor-Experiment zu gießen, der am Markt gescheitert ist, aber in der Retro-Community dafür umso mehr Kultstatus genießt.
Hier findest du die Datenschutzerklärung.
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